Internetforen – Verunsicherung und falsche Ratschläge!

In der neuesten Form der Internetdiskussionen über Castingfirmen weiss man überhaupt nicht mehr, wer auf welcher Seite steht.

Anwälte geben sich als Casting-Abzocker aus und beraten vermeintlich Abgezockte Models in Tarnung als Verbraucherschützer. Es soll sogar Modelagenturen geben, die ihre eigenen Kunden über das Internet verunsichern, um sie in Gerichtsprozesse zu verwickeln, die aussichtslos sind und am Ende von der eigenen Rechtsabteilung als Umsatzturbo genutzt werden, um dem “Kunden” ein weiteres Mal kräftig in die Tasche zu greifen.

Angebliche Verbraucherschützer posten dann – zumeist anonymisiert – in Foren und verunsichern einst glückliche Kunden mit abenteuerlichen Vorwürfen und fiesen Ratschlägen die es in sich haben. Minderjährige und ahnungslose “Freunde” der Mamma mischen sich unter die Ratsuchenden und stellen Fragen, die so manches Geschäftsmodell völlig ins falsche Licht rücken.

Obwohl es überhaupt keinen Anlass gibt an die zumeist frei erfundenen Vorwürfe und Mutmaßungen zu glauben versuchen Sie Kunden der verschiedensten Anbieter in Besorgnis zu versetzen.

Dann git es die aktiven Täter im Internet die Firmen und Gepflogenheiten so entstellen, als seien Sie geradezu anrüchig – obwohl das bei genauem Hinsehen oft mit Nichten der Fall ist. Manche überschreiten sogar hemmungslos die gesetzlichen Grenzen und kriminalisieren Unternehmen regelrecht – besonders junge Unternehmen die erst kurze Zeit am Markt sind zählen zu den betroffen.

So heisst es unter der Überschrift in einem Internetforum:

„Abzocke bei Casting-Modelagenturen“

Zitat:

„Demzufolge sind hier die Bestimmungen des Maklerrechts hinsichtlich der Vorschriften zur Arbeitsvermittlung aus SGB III sowie die Vermittler-Vergütungsverordnung anzuwenden. Das bedeutet jedoch, dass die Agentur weder für angefertigte Fotos noch für das Anlegen einer Kartei Geld verlangen darf. Ein Verstoß gegen diese Bestimmungen hat die Nichtigkeit des Vertrags und sogar einen Rückzahlungsanspruch für bereits entrichtete Entgelte zur Folge. Die Nichtigkeit der Verträge ergibt sich auch schon daraus, dass die Agentur typischerweise keine aktuelle Erlaubnis der Arbeitsagentur zur Vermittlung von Jobs an andere Auftraggeber hat.“

Zitat Ende.

Resultat: Castingurteil

Nun leuchtet der Himmel wieder für die vermeintlich anonym operierenden Ratgeber. Sie können sich noch einmal die Hände reiben und jubeln, denn nach fast 3 Jahren „Öffentlichkeitsarbeit“ hat sich endlich ein Anwalt gefunden, der die heissen Online-Ratschläge zur angepriesenen “Hilfestellung” nahm.

Viele Forenbetreiber kennen dieses Risiko und versuchen sich mit Allgemeinen Geschäftsbedingungen oder “Richtlinien” von einer Haftung zu befreien, obwohl sie von den reißerischen Schlagzeilen profitieren. Wer das nicht glaubt sollte mal die AGB’s von Foren aufrufen in denen so kontrovers diskutiert wird. Im Kleingedruckten wollen sich die Forenbetreiber von den anonymen Tätern nämlich distanzieren und so schreiben sie zum Beispiel in ihre Bestimmungen:

“Der Forenbetreiber haftet nicht für vom Nutzer bereit gestellten Inhalte, nicht für Fehler, Unrichtigkeiten oder Unvollständigkeit der Inhalte und auch nicht für Schäden und Verluste, die durch diese Inhalte entstehen.”

Warum sichern sich die Forenbetreiber so ab?

Vermuten sie etwa, dass die Täter bei den Ratsuchenden Schäden anrichten, weil Sie diese so manipulieren wollen, dass sie in aussichtslose Prozesse verwickelt werden?

Sollten die Ratsuchenden dann gegen den Forenbetreiber vorgehen, auf dem die Täter ihre Botschaften verbreiten, wollen die Forenbetreiber natürlich auch nicht haften und schieben das Risiko an die Täter selbst weiter, indem Sie Vertragsklauseln verwenden wie etwa

“Soweit dem Forenbetreiber für die Abmahnung durch Dritte Kosten entstehen, hat der Nutzer den Forenbetreiber hiervon freizustellen.” 

Zur Problematik haben wir Isabella Taylor, Expertin für Web Foren befragt, Sie beschreibt das so:

“Nach meinen Erfahrungen werden alle diese Ratschläge in Internetforen gezielt lanciert um Leute anzulocken und zum Beispiel eine „Taktik für faule Rechtsanwälte“ festzulegen die völlig sinnlos ist oder  um Tipps zu geben und Kunden zu manipulieren. Im Internet – wie tagtäglich in der Presse oder im Fernsehn vorgeführt – ist es spielend einfach, mit negativen Schlagzeilen Menschen einzufangen und Ihnen nach einem Vertragsabschluss oder Einkauf zu suggerieren, Sie wären auf eine Abzocke hereingefallen – auch wenn es überhaupt keine Abzocke ist.

Solche vermeintlichen “Verbraucherschützer” wollen damit risikolos Aufmerksamkeit ergattern, Sie sonnen sich im Lichte der anonymen Gerechtigkeit, während Forenbetreiber sich die Hände reiben und Traffic auf ihre Seite bekommen ohne etwas dafür zahlen zu müssen.

Die Forenbetreiber feuern die Täter noch an, indem sie ihnen eine raffinierte Punktebelohnung verabreichen für die sich die Täter richtig ins Zeug legen.  Das sie dabei vom Forenbetreiber regelrecht ausgebeutet werden und nicht einmal einen Mindeststundenlohn bekommen fällt den Tätern immer erst dann ein, wenn betroffene Unternehmen sich wehren und die Täter beginnen müssen, sich mit kostspieligen Abmahnungen herumzuschlagen. Dann ist die Not gross und keiner der Ratsuchenden wird die Täter vor dem dann eintretenden, existenzbedrohenden Schaden schützen.  Sie allein tragen die Verantwortung und die Kosten der gerichtlichen Auseinandersetzungen. Als Zugabe dürfen sie dann auch für die Kosten der Forenbetreiber aufkommen, denn sie haben meist der AGB zugestimmt.

Ausserdem bekommen die Täter von den auflaufenden Schäden und Kosten zunächst nichts mit, da diese bereits im Vorfeld bei den Forenbetreiber akkumuliert werden, ehe diese aus eigener Zeugennot beginnen an der Aufhebung der Anonymität der Täter aktiv mitzuwirken. In der Regel geschah dies immer rückwirkend aber seit 1.7.2014 auch fortlaufend, ohne dass der Täter hierüber informiert werden muss.

Obendrauf droht dann noch der Zorn der Ratsuchenden, die sich auf Tips der Täter verlassen haben und von den Rechtsabteilungen der Unternehmen in ein sogenanntes Regresspooling integriert werden.  Selten liegt das Risiko für die Täter unterhalb von 10.000,00 Euro davon zu kommen, dem nur ein Punktesystem der Forenbetreiber gegenübersteht und die ab und zu jubelnd aber sonst geizigen Ratsuchenden. ”

Die Schäden für die Kunden von Unternehmen sind erheblich, denn sie fallen immer wieder auf die vermeintlich kostenlosen Ratschläge herein, sie lassen sich leicht verunsichern und zahlen am Ende die doppelte Zeche; nicht nur die eigene, sondern auch die von vermeintlich anonym operierenden Verbraucherschützern.

Merken sie sich, kein seriöser Rechtsanwalt würde seine erfolgreichen Strategien im Internet verbreiten, schon gar nicht kostenlos zur Verfügung stellen.

 

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Lorraine Media GmbH kassiert Casting-Urteil vom Landgericht

Das Szenario war immer gleich. Viele Personen wollten es und haben es genutzt, das Sprungbrett von Modelsweek. Ob gratis oder kostenpflichtig, alles egal – ein Bedarf für solche Dienstleistungen ist objektiv vorhanden. Doch einige Kandidaten wollten nicht zahlen. Ein oberinstanzliches Urteil vom Landgericht Berlin (50 S 22/13) fasst nun das wesentliche zusammen – die Verträge sind bindend.

Wie in den Medien berichtet wollten sich einzelne, weniger erfolgreiche Kandidaten der abgeschlossenen Verpflichtungen entledigen, indem sie plötzlich anstrebten nicht mehr als Model, sondern als Schuldner Karriere zu machen. Einfach nicht bezahlen, kündigen oder widerrufen, das waren die Ratschläge aus dem Internet. Doch so einfach war es wohl nicht, denn immer wieder fanden zeitgleich zahlreiche Urteile von unterschiedlichen Amtsgerichten den Weg in die Öffentlichkeit.

In unzählbaren Forenbeiträgen scheuchten „anonym operierende Zeitgenossen“ zahlungsunwillige Kunden der Models-Week mit frei erfundenen Argumentationen auf, solche Onlineanzeigenverträge zu kündigen oder einfach nicht zu bezahlen. Auf diese Web-Propaganda fielen zumeist ohnehin Mittellose herein und schenkten den Textern erstmal glauben bis sie mit ihren “Staranwälten” aus allen Wolken fielen. Im Ergebnis kommen zum vereinbarten Preis für diese Personengruppe auch noch Anwaltskosten, Gerichtsgebühren, Zinsen und Auslagen hinzu (LG Neubrandenburg 1 T 143/12).

*** Update: Aktuell haben wir aus 2015 weitere Urteile gefunden, aus denen erkennbar wird, dass die Lorraine Media GmbH ihre Geschäftsmodelle erweitert und optimiert hat. Sie unterhält zwischenzeitlich zahlreiche Geschäftsräume und bietet ihrer Klientel viele neue Dienstleistungen an. Diese Werbekunden haben aufgrund des eigenen Status als Fotomodell überhaupt keine Verbraucherrechte. Sie sind wie gewöhnliche Gewerbetreibende davon abgekoppelt. Fotomodelle die mit eigenen Fotos werben, Castingveranstaltungen besuchen um Aufträge zu erhalten gelten grundsätzlich als Gewerbetreibende; BFH-Urteil, 8.6.1967, IV 62/65; BStBl. 1967 III S. 618 ***

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Casting Agentur Mitarbeiter angeklagt!

Am Landgericht Duisburg ging es nicht um den Mitarbeiter einer Casting Agentur im Ruhrgebiet.

Eltern bringen Kinder gern ins Rampenlicht, doch aufgepasst.

Ein Mitarbeiter einer Mülheimer Agentur soll diejenigen Träume rücksichtslos missbraucht und seine Klienten zu sexuellen Handlungen gezwungen haben. Vor Gericht hat er am 16. August 2013 die Beschuldigungen eingeräumt.

Die Staatsanwaltschaft geht indessen von 36 Fällen des Kindesmissbrauchs aus. Der Agent der Casting Agentur für Jugendliche und Kinder soll 36 Kinder gezwungen haben, sich vor einer Webcam selbst zu befriedigen. Danach erpresste der ehemalige Manager einer TV Kandidatin die Kinder mit dem Video. Daraufhin wurde Anklage erhoben, da sich die Vorwürfe gegen den Geschäftsführer der Agentur erhärtet hatten.

Mit Bekanntwerden der Vorwürfe hatten sich anhaltend mehr Betroffene gemeldet, so dass die Staatsanwaltschaft Duisburg indessen von Kindesmissbrauch in 36 Fällen ausging. Bereits seit mehreren Wochen saß der ehemalige Manager einer TV-Kandidatin in Untersuchungshaft – nun hat die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben (AZ 33KLs9/13).

Eltern der Nachwuchskandidaten, die die von der Mühlheimer Agentur betreut wurden, dürften immer noch unter Schock stehen. In den Jahren 2011 und 2012 soll der Beschuldigte mindestens 36 seiner Talente zu sexuellen Handlungen gezwungen haben.
In 6 Fällen soll er sexuelle Handlungen an Kindern unter 14 Jahren vorgenommen haben“, erklärte ein Sprecher des Landgerichts Duisburg. In 11 Fällen gehe es um „beischlafähnliche Handlungen“, in neunzehn Fällen soll er Kinder zu sexuellen Handlungen gedrängt haben.

Wie das Nachrichtenportal Focus Online mit Bezug auf die Mutter eines Opfers berichtet, soll der Angeklagte die Kinder gezwungen haben, sich vor laufender Webcam selbst zu befriedigen, um sie anschließend mit dem Video zu erpressen.

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Amtsgericht Köln Urteil zur Berichterstattung über Castingteilnehmer

DSDS-Trottel als Bezeichnung für einen Teilnehmer zu verwenden ist eine Beleidigung.

Der öfter in der Vorrunde von “Deutschland sucht den Superstar” missglückte Teilnehmer Menderes Bagci hat vor dem AG Köln zweckvoll einen Medienbericht bekämpft, in dem er als “DSDS-Trottel” benannt wurde. Dies geht aus dem bekannt gegebenen Urteil hervor.

Die Bezeichnung “DSDS-Trottel” sei eine Beleidigung samt einem negativen Werturteil, so der Richter in der Begründung des Urteils. Ein Schmerzensgeld stand Menderes hingegen nicht zu, da die Beleidigung nicht gravierend genug gewesen sei (Urteil vom 08.03.2012, Aktenzeichen. 137 C 435/11).

Menderes war von einer Prominenten-Online Unterhaltungsschrift als “DSDS-Trottel” bezeichnet worden. Demonstrativ hatte der als Michael Jackson Imitator bekannt vorgestellte vor dem Amtsgericht (AG) Köln Klage erhoben.

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Urteil für Casting Directoren

In einem ausschlaggebenden Urteil vom 23.September 2011 (FG München, Urteil vom 23. 9. 2011, 1 K 32 / 10 (5), hat das Finanzgericht München den Beruf einer Münchner Casting-Direktorin als künstlerische Tätigkeit im unter Bezug auf § 18 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 EStG qualifiziert, so dass diese Betätigung nicht der Gewerbesteuer unterliegt.

Nach den Beurteilungen des Finanzgerichts München erreicht die Beschäftigung der Klägerin in ihrer realen Ausgestaltung durch die Anordnung des Schauspielerensembles eine künstlerische Gestaltungshöhe, da sie dadurch die dem Film Bild gebenden Darsteller bestimmt und auf einen der wesentlichen künstlerischen Wirkungsgrade des Films – die personelle Bildgebung der Geschichte- in bestimmender Art Einfluss nimmt.

Die vom Finanzamt München anfangs erlassenen streitgegenständlichen Gewerbesteuermessbescheide, gegen die die Casting Directorin im Klagewege widerstanden hat, wurden vom Finanzgericht München gestrichen.

Dieses Urteil ist rechtskräftig.

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Zehn Jahre Haftstrafe für Hobby-Fotograf

Ein Hobby-Fotograf, der über Foren im Internet ratsuchende Fotomodelle kontaktierte und eines davon ermordete muss dafür zehn Jahres ins Gefängnis. Nach dem Urteil des Potsdamer Landgerichts gilt der Fotograf des Mordes und der Störung der Totenruhe für schuldig.

Er hatte sie am Morgen des 27. Juli 2008 mit einer Bratpfanne bewusstlos geprügelt, erdrosselt und sich nachher an der Toten vergangen. Sein Opfer lernte der Mann über eine Internetplattform kennen. Viele junge und unerfahrene Fotomodelle sind begeistert im Internet Fragen zum Thema Modeln oder Casting zu stellen und öffnen sich angeblich hilfsbereiten Mitmenschen sehr schnell, auch wenn diese vermeintlich anonym im Internet operieren.

So hatte auch dieser Fotograf monatelang E-Mails mit dem Fotomodel ausgetauscht und sich später sogar über Chat mit ihr unterhalten. Im Juli 2008 traf er sie dann. An einem frühen Morgen, als das junge Fotomodel noch schlafend auf dem Bett lag, ereignete sich dann ein psychologischer “Dammbruch”, wie der Richter am Landgericht Potsdam bei der Urteilsbegründung sagte. Der Fotograf verlor die Kontrolle.

Der Fotograf hatte den Mordvorwurf stets zurückgewiesen. Er räumte zwar ein, das Fotomodel gewürgt zu haben, dies sei jedoch Teil eines von ihm und ihr gewollten Rollenspiels so gewesen. Er habe die junge Dame nicht umbringen wollen.

Das Gericht sah dies jedoch anders und der Hobbyfotograf ging gegen das Urteil in Revision. Der Bundesgerichtshof hat diese als offensichtlich unbegründet verworfen, damit war die Sache rechtskräftig. Wegen Mord und Störung der Totenruhe ist der Hobby Fotograf bereits im August 2009 zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren verurteilt worden.

LG Potsdam, 20.08.2009 – 21 KLs 1/09
BGH, 12.04.2010 – 5 StR 70/10

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